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Bei einer Lesung anläßlich der Neuerscheinung des Romans "Ein weites Feld", gab es im Hörsaal der Uni Stuttgart ein klein wenig Aufruhr (man wollte mich mit meinen zwei gerahmten Ölbildern Die dicke Gret und Aua nicht in den Saal lassen). Es kam dann doch noch zu meiner Spontanausstellung der Bilder, und so hielt Günter Grass die Lesung seinen bildgewordenen Geschöpfen gegenübersitzend. Anschließend konnte ich noch ein kurzes Wort mit ihm wechseln.
1927
16. Oktober: Günter Grass wird in Danzig als Sohn einer kaufmännischen Familie geboren.

Im Zweiten Weltkrieg meldete er sich mit 15 Jahren – nach eigenen Angaben, um aus der familiären Enge zu entkommen – freiwillig zur Wehrmacht.
1944-1946 im Alter von 17 Jahren, wurde er zur 10. SS-Panzer-Division "Frundsberg" der Waffen-SS einberufen.

Nach einer Verwundung am 20. April 1945 wurde Grass am 8. Mai 1945 bei Marienbad gefangen genommen und war bis zum 24. April 1946 in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Grass gab sich bei seiner Gefangennahme den Amerikanern gegenüber als Angehöriger der Waffen-SS zu erkennen. Seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS gab er gegenüber der Öffentlichkeit allerdings erst im August 2006 zu. Zuvor hieß es in den veröffentlichten Biografien des Schriftstellers stets, er sei 1944 Flakhelfer geworden und danach als Soldat einberufen worden.
1947/48 Absolvierung einer Steinmetzlehre in Düsseldorf.
1948-1952 Studium der Graphik und Bildhauerei an der Düsseldorfer Kunstakademie.
1953-1956 Schüler der Hochschule für Bildende Künste in Berlin bei dem Bildhauer Karl Hartung.
1956/57 Erste Ausstellungen von Plastiken und Graphiken in Stuttgart und Berlin-Tempelhof. Daneben beginnt Grass, schriftstellerisch tätig zu werden. In den ersten Jahren bis 1958 entstehen vor allem Kurzprosa, Gedichte und Theaterstücke, die nach seiner Aussage dem poetischen oder absurden Theater zuzuordnen sind.
1958 Uraufführung seines Theaterstückes "Onkel, Onkel" in Köln. Verleihung des Preises der "Gruppe 47" für sein Manuskript "Die Blechtrommel".
ab 1959 Der Roman "Die Blechtrommel" (1959, Verfilmung 1979), die Novelle "Katz und Maus" (1961) und der Roman "Hundejahre" (1963) zeichnen sich durch exzessive und provokative Sprache aus. Sie belegen einerseits seine Erzählkunst und begründen andererseits seinen Ruf als politischen Moralisten.
1965, 1969 und 1972 Beteiligung an Wahlkampftourneen für die SPD, deren Mitglied er von 1982 bis 1993 ist. Daneben äußert Grass sich immer wieder in offenen Briefen oder Reden zu politischen Themen, wodurch er sich über seine schriftstellerische Tätigkeit hinaus Gehör in der Öffentlichkeit verschafft.
ab 1966 Grass' Werke "Die Plebejer proben den Aufstand" (1966), "Davor" (1969) und "örtlich betäubt" (1969) sind von seinem politischen Engagement geprägt. Weiter beteiligt sich Grass an öffentlichen Protestaktionen in Ost und West gegen die Notstandsgesetze, den "autoritären Klerikalismus", die "reaktionäre Bundespolitik" und die "Unterdrückung der Freiheit in der DDR".
1968 Veröffentlichung des Buches "Briefe über die Grenze", ein Dialog zwischen dem tschechischen Schriftsteller Pavel Kohout (geb. 1928) und Grass zum Thema Prager Frühling.
1972 Nach Erscheinen der Erzählung "Aus dem Tagebuch einer Schnecke", die den Bundestagswahlkampf 1969 beschreibt, zieht sich Grass vorerst aus dem politischen Leben zurück.
1977 Veröffentlichung des Romans "Der Butt", der seinen internationalen Ruf als Epiker unterstreicht.
1983 Mitunterzeichner des "Heilbronner Manifest" in dem Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler wegen der Stationierung der Pershing-2-Raketen in der Bundesrepublik öffentlich zur Wehrdienstverweigerung aufrufen.
1986 Veröffentlichung des Prosawerkes "Die Rättin" (Verfilmung 1997), das ein "apokalyptisches Feature über den Selbstmord der Menschheit" zeichnet.
1987 Beteiligung an der SPD-Kampagne für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein.
1989 Austritt aus der Akademie der Künste, weil diese aus Sicherheitsgründen eine Solidaritätsveranstaltung für Salman Rushdie (geb. 1947) verweigert hatte.
1990 In Zusammenhang mit der deutschen Wiedervereinigung spricht sich Grass gegen eine "Ruck-zuck-Einheit über den bloßen Anschlußartikel 23 des Grundgesetzes" aus und wirbt stattdessen für eine allmählich zusammenwachsende föderalistische deutsche Kulturnation.
1992 Veröffentlichung seiner Erzählung "Unkenrufe", die sein Bemühen um die Versöhnung der Deutschen mit sich und den östlichen Nachbarn zeigt.
1993 Aus Protest gegen die Asylrechtsänderung tritt Grass aus der SPD aus.
1995 Abschluß des Romans "Ein weites Feld", der in Berlin zwischen Mauerbau und Wiedervereinigung spielt und ein Panorama deutscher Geschichte von der Revolution 1848 bis zur Gegenwart zeichnet. Der Protagonist des Romans "Fonti" ist angelehnt an das alter ego von Theodor Fontane, der somit den Bogen vom 19. Jahrhundert bis heute schlägt. Das Buch wird in der Öffentlichkeit stark diskutiert was u.a. dazu führt, das bereits nach acht Wochen die fünfte Auflage in Druck geht.
1997 In seiner Rede bei den "Dresdner Gesprächen" beklagt Grass, daß die Wiedervereinigung die alte Klassengesellschaft erneuere. Erstunterzeichner der "Erfurter Erklärung", in der SPD, Bündnis 90/GRÜNE, und die PDS aufgefordert werden, die Regierung Kohl abzulösen. Außerdem ist Grass zusammen mit Egon Bahr Initiator des "Willy-Brandt-Kreises", für Menschen "die sich die Unabhängigkeit des Denkens bewahrt haben" (Bahr).
19. Oktober: In seiner Laudatio bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an den türkischen Schriftsteller Yasar Kemal (geb. 1923) richtet Grass nicht nur heftige Angriffe gegen die Regierung der Türkei wegen ihrer Kurdenpolitik, sondern attackiert auch die Bundesregierung bezüglich der Änderung des Asylrechts.
1998 Grass, der 1989 aus der Berliner Akademie der Künste ausgetreten war, wird auf der Frühjahrsversammlung der Akademie wieder zugewählt. August: Grass beginnt eine Reihe von vier Wahlkampfveranstaltungen für die SPD, die er in Schwerin, Weimar, Jena und Erfurt abhält.
1999 Juli: Publikation von "Mein Jahrhundert": Für jedes Jahr dieses Jahrhunderts setzt Grass eine Geschichte, die jeweils ihren eigenen Erzähler hat.
10. Dezember: Günter Grass wird in Stockholm mit dem Literatur-Nobelpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
2002 In seiner neuen Novelle "Im Krebsgang" erzählt Günter Grass von der Tragödie der Versenkung des Flüchtlingsschiffs "Wilhelm Gustloff" 1945 - und schildert packend einen von der deutschen Literatur lange gemiedenen Stoff: die blutige Geschichte der Flucht aus dem Osten.
Grass feiert seinen 75sten Geburtstag.
2003 Erscheinen von "Letzte Tänze", einer Sammlung vorwiegend erotisch geprägter Gedichte und Zeichnungen.
2005 Grass wird zum Ehrendoktor der Freien Universität Berlin ernannt.














Bildausschnitt aus
Aua









Bildausschnitt aus
Die dicke Gret